Kontrollverlust

J. W. v. Goethe (1749 – 1832) – Der Zauberlehrling (1798)

Geister hervorrufen, welche einem zunächst wohlgesonnen oder hilfreich erscheinen, die man aber dann schlussendlich nicht mehr kontrollieren kann. Dies ist die Kernaussage von Goethes Ballade „Der Zauberlehrling“ – und sie ist heute noch genauso aktuell wie zu Zeiten des großen Dichters.

In vielfältiger Art und Weise können solche Kräfte heraufbeschworen werden, wenn beispielsweise der Konsum von Alkohol zum unbeherrschbaren Dämon in Form einer Suchterkrankung heranwächst. Die Gefahren der Atomkraft oder der globalen Erderwärmung stehen gar für unbeherrschbare Geister, welche die gesamte Menschheit entfesselt hat.

Goethes Zauberlehrling ließ sich durch externe Hilfe retten: Er hatte zum Glück einen alten Hexenmeister, welcher den bösen Dämon mit einer einfachen Zauberformel wieder vertreiben konnte. Wäre es nur auch im realen Leben so einfach.

(…..)

Und nun komm du alter Besen,
Nimm die schlechten Lumpenhüllen,
Bist schon lange Knecht gewesen.
Nun erfülle meinen Willen.
Auf zwei Beinen stehe,
Oben sei ein Kopf,
Eile nun und gehe
Mit dem Wassertopf.“

(…..)

Ach er läuft und bringt behende,
Wärst du doch der alte Besen!
Immer neue Güsse
Bringt er schnell herein,
Ach! und hundert Flüsse
Stürzen auf mich ein.“

(…..)

O! du Ausgeburt der Hölle!
Soll das ganze Haus ersaufen?
Seh ich über jede Schwelle
Doch schon Wasserströme laufen.
Ein verruchter Besen
Der nicht hören will!
Stock! der du gewesen,
Steh doch wieder still!“

(…..)

Und sie laufen! Naß und nässer
Wirds im Saal und auf den Stufen,
Welch entsetzliches Gewässer!
Herr und Meister! hör mich rufen!
Ach! da kommt der Meister!
Herr, die Not ist groß,
Die ich rief die Geister
Werd ich nun nicht los.“

(…..)

Herr, die Not ist groß, die ich rief die Geister, werd ich nun nicht los!“

(aus: Der Zauberlehrling – J. W. v. Goethe)

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