Fingerzeig
Friedrich Schiller (1759 – 1805) – Die Kraniche des Ibykus (1797)

Juni 2014
Höhe m. Sockel: 32 cm
Schillers Ballade „Die Kraniche des Ibykus“ handelt von dem Sänger Ibykus, der auf dem Weg nach Korinth heimtückisch ermordet wird. Nur ein vorüberfliegender Kranichzug ist Zeuge dieses Verbrechens und Ibykus trägt – mit dem Finger auf die Vögel zeigend – den Kranichen die Vergeltung seines Todes auf:
„Von euch, ihr Kraniche dort oben,
wenn keine andre Stimme spricht,
Sei meines Mordes Klag erhoben! –
Er ruft es, und sein Auge bricht.“
In einer Theatervorstellung, bei der auch die Mörder unter den Zuschauern sitzen, kommt es schließlich zum Selbstverrat der Täter, nachdem die Kraniche über die Veranstaltung fliegen:
„Da hört man auf den höchsten Stufen
auf einmal eine Stimme rufen:
Sieh da! Sieh da, Timotheus,
die Kraniche des Ibykus!“
Die Theaterbesucher erkennen diesen Selbstverrat der Mörder und ziehen sie zur Verantwortung:
„Der fromme Dichter wird gerochen,
der Mörder bietet selbst sich dar!
Ergreift ihn, der das Wort gesprochen,
und ihn, an den’s gerichtet war.“
Die Darstellung einer zeigenden Handgeste ist somit in dreifacher Weise in dieser Ballade enthalten: In der Anklage zum Mord, indem Ibykus auf die Kraniche zeigt, im Selbstverrat der Mörder, indem diese auf die Kraniche deuten sowie in der Ergreifung der Täter durch die Theaterbesucher.
„Von euch, ihr Kraniche dort oben, wenn keine andre Stimme spricht,
Sei meines Mordes Klag erhoben, er ruft es, und sein Auge bricht.“
(aus: Die Kraniche des Ibykus – Friedrich Schiller)
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