Freundschaft
Friedrich Schiller (1759 – 1805) – Die Bürgschaft (1798)
Die Holzskulptur „Freundschaft“ könnte unabhängig meiner Interpretation ebenso den Titel „Mut“ oder „Treue“ tragen. Denn der Inhalt der Ballade „Die Bürgschaft“ von Friedrich Schiller handelt von der bedingungslosen Freundschaft zweier Freunde, aber auch deren Treue und Mut, indem sie sich gemeinsam dem Todesurteil eines Tyrannenkönigs entgegenstellen.

Mai 2025
Höhe m. Sockel: 29,5 cm
Schlussendlich ist der Tyrann gar so von der Freundschaft der Todesmutigen beeindruckt, dass er in deren Bund mit aufgenommen werden möchte:
„Und blicket sie lange verwundert an;
Drauf spricht er: „Es ist euch gelungen,
Ihr habt das Herz mir bezwungen;
Und die Treue, sie ist doch kein leerer Wahn;
So nehmet auch mich zum Genossen an.
Ich sei, gewährt mir die Bitte,
In eurem Bunde der Dritte.“
Schiller hebt in seiner Ballade vor allem die Ideale hervor: Das Bedingungslose einer Freundschaft. Sich einzusetzen für den anderen. Sich gegenseitig bis zur Schwelle des Todes zu unterstützen.
Jetzt aber, so kann man meinen, stehen die Kameraden einer unangenehmen Situation gegenüber: Ein Tyrann, welcher sie zuvor noch töten wollte, möchte auf einmal in den Bund der Freunde aufgenommen werden?
Meine Skulptur zeigt eine Hand, welche – ja – bedrohlich auf den Händen der beiden Freunde, zum Handschlag bereit, liegt. Die unteren Hände schlagen jedoch nicht voll ein. Sie zögern.
Nehmen sie die Freundschaftsanfrage des Königs an? Möchten sie mit einem Tyrannen befreundet sein? Lehnen sie den Bund ab, um ihre eigene Freundschaft zu schützen? Schadet der neue Bund der Gemeinschaft oder ist er förderlich?
Wann und unter welchen Bedingungen gehe ich Freundschaften ein?
Wann beende ich Freundschaften, bei denen ich erkenne, dass sie auf mir lasten und mir nicht mehr guttun?
Muss die Hand, welche bedrohlich und erdrückend über einem liegt, zwingend eine Menschenhand sein?
„Des rühme der blutge Tyrann sich nicht, dass der Freund dem Freunde gebrochen die Pflicht,
er schlachte der Opfer zweie, und glaube an Liebe und Treue.“
(aus: Die Bürgschaft –
Friedrich Schiller)
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