Inferno
Charles Bukowski (1920-1994) – Ein Gedicht für Dante (1971)
Der amerikanische Dichter und Schriftsteller Charles Bukowski zeichnet sich in seinen Werken durch einen sehr direkten und ungefilterten Stil aus. Alkohol, Sex, Armut, Gewalt und Pferderennen stehen dabei häufig im Mittelpunkt des Geschehens.
Dante Alighieri, der in seinem Hauptwerk, der epischen Dichtung der „Göttlichen Komödie“ (siehe mein Werk „Dante“) durch die Hölle geht und sie deshalb ziemlich genau kennt, wird von Charles Bukowski in „Gedicht für Dante“ direkt angesprochen: Denn in diesem Gedicht Bukowskis geht es um die Hölle – auf Erden:

Oktober 2025
Höhe m. Sockel: 74 cm
Dante Baby, jetzt ist das Inferno da.
Wär` schön, wenn Du es sehen könntest.
Eine Zeit lang hatten wir die Macht, die Welt zu sprengen
und finden jetzt die Kraft sie zu verlassen.
Aber die meisten werden bleiben und sterben müssen.
Entweder durch die Bombe oder all die Knochenberge
und andere entleerte Gefäße und Scheiße, Glas und Rauch,
Dante Baby, das Inferno ist jetzt da
aber die Leute bewundern noch immer Rosen
fahren Fahrrad, betätigen Stechuhren,
kaufen Häuser und Gemälde und Autos;
die Menschheit kopuliert noch immer und überall
und die Jungen schauen sich um und schreien
wie sie es schon immer getan haben
dass dies ein besserer Ort sein sollte
und als sie alt wurden spielten sie dasselbe dreckige Spiel.
Aber jetzt wo all die dreckigen Spiele der Jahrhunderte
einen Punktestand erreicht haben, der nicht mehr zu vertreten ist
versuchen es manche noch immer –
wir nennen sie Heilige, Dichter, Idioten, Dummköpfe.
Dante Baby, oh Dante Baby
du solltest uns jetzt mal sehen.
Leben wir noch? Sind wir schon Tod? Ist das Inferno tatsächlich da? Was machen wir daraus, wenn es wirklich so ist? Resignieren? Aufgeben? Oder wollen wir lieber Dichter oder Heilige sein (auch wenn uns andere als Idioten und Dummköpfe bezeichnen)? Bitte. Ja!
„Dante Baby, oh Dante Baby.
Du solltest uns jetzt mal sehen.“
(aus: Ein Gedicht für Dante –
Charles Bukowski)
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