Metamorphose
Franz Kafka – Die Verwandlung
Bei einer Metamorphose denken wir gerne zuerst an biologische Prozesse der Natur, wenn sich die Raupe – im Kokon geschützt – zum Schmetterling oder die Larve zum Käfer entwickelt. Auch in der Psychologie wird dieser Begriff verwendet: Die negative Metamorphose bezeichnet Charakterveränderungen, häufig ausgelöst durch Traumata, psychische Erkrankungen wie Burnout oder Depression oder eine Suchterkrankung. Sie führt zum Identitätsverlust, zur Selbstauflösung, Hoffnungslosigkeit und Ohnmacht Nicht immer gelingt es, aus dieser negativen Transformation Kraft für neues Werden zu schöpfen. Manchmal endet sie mit dem Tod.

April 2026
Höhe m. Sockel: 55 cm
So auch in Franz Kafkas Werk „Die Verwandlung“. Gregor Samsa, die Hauptfigur dieser Erzählung, wacht eines morgens auf und ist in ein riesengroßes Ungeziefer verwandelt.
Und dabei muss nicht nur plötzlich Gregor Samsa mit der neuen Situation klarkommen, sondern auch seine Familie. Die Mutter ist nur am Weinen und der Vater interessiert sich nicht mehr für ihn. Einzig die Schwester kümmert sich, versorgt ihn mit Essen und versucht, die Verbindung mit dem verwandelten Bruder zu halten.
Erst als das Familiensystem aufgrund der Veränderung auseinander-zubrechen droht, kippt die Stimmung und selbst die fürsorgliche Schwester fordert, dass das Ungeziefer verschwinden muss. Gregor Samsa stirbt schließlich in seinem Zimmer.
Wie gehen Menschen mit psychischen Problemen oder Erkrankungen mit ihrer Situation um?
Versuchen sie anfangs noch, in einen Kokon gehüllt, die Probleme zu verbergen und sich durch den Kokon zu schützen? Wann bricht die Schutzhülle auf und die wahre, ungefilterte Veränderung kommt zum Vorschein?
Von der Verwandlung ist nicht nur die Person selbst betroffen. Auch das nahe Umfeld, das Familiensystem, Kolleg*innen und Freunde bekommen die Auswirkungen der veränderten Person zu spüren.
Anfangs versuchen wir vielleicht noch, dem betroffenen Menschen zu helfen, ihn zu schützen oder zu decken. Aber wann ist der Moment gekommen, dass das System sich selbst schützt und den Fremdkörper ausstößt?
Denken wir da doch lieber an eine „positive“ Metamorphose und lassen die Schutzhülle fallen, welche uns am Erblühen, an neuem Leben, hindert.
„Besonders am Anfang gab es selten ein Gespräch, das nicht in irgendeiner Weise um ihn ging, auch wenn es nur im Geheimen war.“
(aus: Die Verwandlung – Franz Kafka)
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