Resignation

Rainer Maria Rilke (1875 – 1926) – Der Panther (1902)

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.
Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.
Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.“

Rilkes „Panther“ ist eingesperrt. Möglicherweise schon seit sehr vielen Jahren. Er hat sich aufgegeben und resigniert. Er hat keine Chance auszubrechen, so stark sein Wille auch sein mag.

Auch Menschen können eingesperrt sein, wobei die Gitterstäbe dabei nicht unbedingt aus Eisen oder Stahl sein müssen. Wie viele Gitterstäbe sind unsichtbar für andere und lassen mich doch in einem inneren Gefängnis leben? Gefangen in einem Hamsterrad aus Alltag und Beruf, in einer Sucht oder in einer Depression erscheint es mir unmöglich, die Gitterstäbe zu durchbrechen.

Habe ich die Chance auf ein neues, anderes Leben, indem ich nicht resigniere und versuche, vermeintlich unkaputtbare Gitterstäbe zu zerbersten, um mit Mut und Wille auszubrechen?

Ferner verbinde ich noch eine andere literarische Vorlage mit diesem Werk:
Die von mir gewählte Skulptur zeigt einen Mann in einem Anzug. Hier beziehe ich mich auf Stephen Graham, ein britischer Journalist und Reiseschriftsteller. Er verfasste 1926 den philosophischen Wegweiser „Die Kunst des stilvollen Wanderns“:

Es gibt Kleidung, die einem die Freiheit nimmt, und solche, die sie einem zurückgibt. Das als Gesellschaftsanzug bezeichnete düstere Gewand macht einen zum Gefangenen der Zivilisation.“

Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.“

(aus: Der Panther –
Rainer Maria Rilke)

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