Teufelspakt

Oscar Wilde (1854 – 1900) – Das Bildnis des Dorian Gray (1891)

Oscar Wildes Roman „Das Bildnis des Dorian Gray“ handelt von dem wohlhabenden Jüngling Dorian, der besessen von dem Wunsch nach ewig währender jugendlicher Schönheit ist.
Er schließt einen Pakt mit dem Teufel und wünscht sich, dass nicht er, sondern ein Porträtbild von ihm an seiner Stelle altern soll.
In den darauffolgenden Jahren führt Dorian ein Leben voller sündhafter Ausschweifungen. Äußerlich verändert sich Dorian nicht. Anstelle seiner altert das Bildnis und wandelt sich nach Jahren zügellosen und unmoralischen Lebens in einen alten, verbitterten Mann.
Dorian Gray geht an diesem Seelenverkauf mit dem Teufel schließlich zu Grunde:


(…..)

„“Ach Dorian, wie glücklich bist du! Was für ein köstliches Leben hast du gehabt! Du hast tief aus jeder Quelle getrunken! Du hast die Trauben an deinem Gaumen zerdrückt. Nichts ist dir verborgen geblieben. Und all das ist dir nicht mehr gewesen als ein Klang von Musik. Es hat dir nichts anhaben können. Du bist noch heute derselbe.“
Ich bin nicht derselbe, Harry.“

(…..)

Er wusste, er hat sich besudelt, hatte seinen Geist mit Verderbnis angefüllt und sein Gewissen mit Entsetzen belastet, er war ein schlimmer Einfluss für andere gewesen und hatte eine schreckliche Freude daran gehabt; und von den Menschenleben, die das seine gekreuzt hatten, waren es die reinsten und verheißungsvollsten gewesen, die er in Schande gestürzt hatte.

(…..)

Ah, in was für einem ungeheuerlichen Augenblick von Hochmut und Leidenschaft hatte er gebetet, es möchte das Bildnis die Last seiner Tage auf sich nehmen und er sich den ungetrübten Glanz ewiger Jugend bewahren! Das war an seinem ganzen verfehlten Leben schuld.
Es wäre besser für ihn gewesen, wenn jede Sünde seines Lebens ihre gewisse und schnelle Strafe mit sich gebracht hätte. In der Strafe lag Reinigung. Nicht „Vergib uns unsere Sünden“, sondern „Züchtige uns für unsere Missetaten“ sollte das Gebet des Menschen zu einem allgerechten Gotte lauten.“

(…..)

Die von mir gewählte Darstellung des Gesichtes eines älteren Mannes in einem Rahmen muss nicht unbedingt ein Gemälde darstellen, welches ganz nach der Romanvorlage altert, während man selbst jung bleibt. Es kann genauso der Blick in einen Spiegel sein, welcher die Realität widerspiegelt. Dann wiederum erkennt man sich selbst und kann entscheiden, wieviel Anteile eines Dorian Gray in einem stecken.

Der einzige Weg, eine Versuchung loszuwerden, ist, ihr nachzugehen.“

(aus: Das Bildnis des Dorian Gray – Oscar Wilde)

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